Eurobike-Messe: So finden Sie das passende Elektrofahrrad

April 16th, 2014

Der Saal ist randvoll, als AEG seine beiden neu entwickelten Elektroantriebe für Fahrräder vorstellt. Ab Mitte 2013 will die zum Elektrolux-Konzern gehörende Marke im boomenden Markt für Räder mit E-Motor mitmischen. Die Zahlen beeindrucken: 310.000 Elektrofahrräder wurden 2011 in Deutschland verkauft, in diesem Jahr sollen es 400.000 werden. Der Branchenverband ZIV geht davon aus, dass schon bald jedes sechste verkaufte Fahrrad in Deutschland einen Motor haben wird.

Wie sehr der Elektrorad-Boom die Branche verändert hat, zeigt sich auf der Messe Eurobike in Friedrichshafen. Wer Rennräder oder Mountainbikes testen will, muss einen Tag vor Messebeginn in ein Dorf ins Allgäu reisen. Für E-Bikes hingegen sind große Außenflächen direkt auf der Messe reserviert, Hunderte Räder stehen für Probefahrten bereit. Auf dem Testparcours heizen manche Besucher auf E-Bikes so schnell um die Kurven, dass Ordner sie ermahnen müssen, doch bitte mehr Rücksicht auf Fußgänger und andere Testfahrer zu nehmen.

Es ist in der Tat verblüffend, welchen Fahrspaß 250 Watt Extraschub bringen. Die Beschleunigung aus dem Stand ist enorm, Berge spurtet man mit geradezu übermenschlichen Kräften hoch.

Der E-Bike-Boom hat jedoch auch Nachteile – vor allem für die Konsumenten. Zwar hat sich die Qualität der angebotenen Räder in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, doch der Markt bleibt unübersichtlich. Es gibt Dutzende Motorhersteller wie Panasonic, Bosch, TranzX, Bionix oder Neuling AEG. Diese Motorsysteme werden von mittlerweile fast allen Fahrradherstellern in verschiedenen Varianten verbaut. Der Konsument hat dann die Qual der Wahl und ist damit schnell überfordert.

Front- oder Heckantrieb?

Etwa 95 Prozent aller verkauften Elektroräder sind sogenannte Pedelecs. Sie gelten als normale Fahrräder und dürfen ohne Führerschein gefahren werden. Der Motor schaltet sich nur ein, wenn der Fahrer auch in die Pedale tritt – daher der Name Pedelec. Und er schiebt nur bei Geschwindigkeiten bis 25 km/h mit. Schnelle Pedelecs, auch S-Pedelecs genannt, hingegen unterstützen bis 45 km/h – für sie besteht Kennzeichen- und Versicherungspflicht.

Die Vielfalt beim E-Bike-Design ist groß: Es gibt Bikes mit Front- oder Heckantrieb – dann steckt der Motor in der Vorder- beziehungsweise Hinterradnabe. Und es gibt Räder mit Mittelmotoren – der Motor befindet sich dann im Tretlager. Jedes Antriebssystem hat andere Fahreigenschaften, und jedes hat seine Vor- und Nachteile.

Der Frontantrieb hat den wohl schlechtesten Ruf, was auch daran liegen dürfte, dass er häufig als billigstes System für Einsteiger mit relativ einfacher Steuerungssoftware angeboten wird. Problematisch ist vor allem, wenn der Nachlauf des Motors zu groß ist. Sobald der Fahrer aufhört zu treten, sollte auch der Motor abschalten. Geschieht dies mit Verzögerung, kann man auf rutschigem Untergrund schnell mal auf der Nase liegen.

Den Mittelmotor, unter anderem angeboten von Panasonic, Bosch, Yamaha und künftig auch von AEG, halten viele Experten für das System, das sich langfristig durchsetzen wird. Für diesen Antrieb sprechen unter anderem die tiefe, zentrale Lage des Schwerpunkts und die unmittelbare Zusammenführung von Muskel- und Motorkraft im Tretlager.

Doch auch der Heckmotor hat seine Fürsprecher. Er bringt mehr Drehmoment und gilt deshalb als sportlicher. Das zusätzliche Gewicht im Hinterrad verbessert die Traktion, und er ist oft leiser als ein Mittelmotor.

Wichtig: eine gute Motorsteuerung

Pauschale Empfehlungen für einen Motortypen sind kaum möglich, meint Sebastian Plog, der für die Firma ExtraEnergy regelmäßig E-Bikes testet. „Es kommt darauf an, wozu ich das Rad benutzen will.“ Gute E-Bikes gebe es in allen drei Antriebssystemen, jeder müsse herausfinden, was am besten zu ihm passe.

Worauf Käufer aber auf jeden Fall achten sollten, ist eine gute Motorsteuerung. Einfache Räder messen nur, ob sich die Pedale drehen, und schalten den Motor dann zu. Das Rad beschleunigt dann ruckartig – der Motor verhält sich sehr aufdringlich. Das kann man mögen – viele Fahrer empfinden es aber als deutlich angenehmer, wenn der Motor intelligenter gesteuert wird. Das geht mit einem Kraftsensor im Tretlager. Wenn man nur leicht tritt, schiebt der Motor nur mit geringer Leistung. Tritt man kräftiger, steigt die Unterstützung.

Welches Antriebssystem am besten zu einem passt, lässt sich bei ausgiebigen Probefahrten herausfinden – und zwar mit möglichst vielen verschiedenen Rädern. Selbst eine Runde auf einem schnellen Pedelec ist empfehlenswert, denn 25 km/h ist eine Geschwindigkeit, die sportliche Fahrer auch ohne Motor erreichen. Weil Händler meist nur eine eingeschränkte Palette an Elektrofahrrädern im Laden stehen haben, sollte man unbedingt mehrere verschiedene Geschäfte besuchen.

Vorab lohnt sich ein Blick in Spezialmagazine wie „Elektrorad“, „E-Bike“, „ElektroBIKE“, „ElektroRad“ oder „e-BikeMAGAZIN“. Empfehlenswert sind auch die Testergebnisse von ExtraEnergy (gratis) und die Webseite „Besser E-Rad kaufen“ des VCD. Wer die neuesten Modelle auf der Eurobike Probefahren möchte, kann dies am Samstag auf dem Publikumstag tun. Man sollte aber etwas Geduld mitbringen, denn traditionell ist das Gedränge auf der Messe dann besonders groß.

 

URL der Quelle:

 

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/kauf-eines-e-bikes-was-man-ueber-pedelecs-wissen-muss-a-852944.html

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